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Location-Tracking: Was scheinbar "anonymisierte" Fitnessdaten verraten
Die Fitness-App "Strava" lieferte ein eindrucksvolles Beispiel für die Folgen, die die Erfassung von Standortdaten haben kann (10.02.2018)
Förderjahr 2016 / Projekt Call #11 / ProjektID: 1933 / Projekt: Tracking the Trackers

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Folgen, die die allgegenwärtige Erfassung von Standort- und Mobilitätsdaten haben kann, lieferte die Fitness-App "Strava".

Die vielgenutzte Fitness-App "Strava" stellt online eine Heatmap zur Verfügung - eine globale Karte, die in einer "anonymisierten" Form Joggingstrecken und Fahrradtouren visualisiert. Die NutzerInnen können die Verwendung ihrer Fitnessdaten für diese Karte zwar in den Einstellungen der App abstellen, aber dies hat anscheinend kaum jemand getan. Offenbar wurde die App auch von vielen Militärangehörigen genutzt, deren Alltagsbewegungen und Laufrouten ebenfalls auf der Karte dargestellt werden:

 

Findige Twitter-NutzerInnen haben Ende Januar auf der Strava-Karte jede Menge sensible Orte entdeckt, von westlichen Militärstützpunkten in Ländern wie Syrien oder Afghanistan bis zu Orten, bei denen es sich um geheime CIA-Standorte handeln könnte. In Kombination mit teils ebenfalls öffentlich zugänglichen Joggingstrecken von einzelnen Strava-NutzerInnen ließen sich sogar Rückschlüsse auf individuelles Verhalten ziehen.

Natürlich hält sich der Schaden in diesem Fall in Grenzen. Viele Datensammelfirmen und Geheimdienste haben aber nicht nur Zugriff auf "anonymisierte" und aggregierte Daten wie auf der Strava-Karte, sondern auf die kompletten Rohdaten auf individueller Ebene.

Standort- und Mobilitätsdaten sind mächtig. Sie ermöglichen intime Einblicke in den gesamten Alltag und bergen erhebliches Missbrauchspotenzial. Darum wird Location-Tracking auch einer der Schwerpunkte in unserem Projekt "Tracking the Trackers" sein.

Wolfie Christl

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Wolfie Christl lebt in Wien und beschäftigt sich seit 15 Jahren mit den gesellschaftlichen Implikationen von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere mit der Ökonomie persönlicher Daten im digitalen Zeitalter. Im Herbst 2016 wurde sein gemeinsam mit der Forscherin Sarah Spiekermann verfasstes Buch "Networks of Control" veröffentlicht – eine umfassende Studie zu kommerzieller digitaler Überwachung, Online Tracking, Big Data und Privatsphäre. Seine 2014 veröffentlichte Studie zum Thema wurde im deutschen Sprachraum breit diskutiert und im Europäischen Parlament präsentiert. Wolfie Christl ist Leiter von Cracked Labs, dem Wiener Institut für kritische digitale Kultur, und Mitinitiator des international vielfach ausgezeichneten Online-Spiels "Data Dealer", das sich mit viel Witz und Ironie den brisanten Themen Überwachung und Datenschutz widmet. Er war 2015 außerdem als inhaltlicher Berater für DONOTTRACK tätig, einer mehrteiligen Web-Doku über digitales Tracking, schreibt unregelmäßig für Medien wie die FAZ und hat viele Vorträge und Workshops in Europa und den USA gehalten. Er und seine Projekte wurden u.a. in der New York Times, Washington Post, Forbes, Guardian und Le Monde zitiert. Auszeichnungen u.a. Games for Change Award (USA), e-virtuoses Serious Games Award (FR), Jury-Auszeichnung beim Staatspreis Multimedia (AT).
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