Förderjahr 2025 / Projekt Call #20 / ProjektID: 7909 / Projekt: eIDAS Monitor
Als wir WhoIdentifies.Me erstmals vorgestellt haben, stand eine einfache, aber bislang unbeantwortete Frage im Zentrum: Wer greift im entstehenden eIDAS-Ökosystem eigentlich auf welche Daten zu? Mit dem inzwischen veröffentlichten Prototypen wird diese Frage ein Stück greifbarer.
Der Hintergrund des Projekts ist unverändert aktuell. Mit der Weiterentwicklung von eIDAS und der Einführung der European Digital Identity Wallet (der europäischen digitalen Brieftasche) entsteht eine Infrastruktur, die weit über klassische Online-Authentifizierung hinausgeht. Digitale Identität wird damit zu einem zentralen Baustein des digitalen Alltags in Europa. Staatlich bestätigte Attribute können in unterschiedlichsten Kontexten verwendet werden, von Behördenverfahren bis hin zu privaten Online-Diensten. Gerade weil diese Infrastruktur so breit eingesetzt werden soll, stellt sich umso dringlicher die Frage nach Transparenz. Während die technische und rechtliche Ausgestaltung intensiv diskutiert wird, bleibt oft unsichtbar, welche konkreten Datenflüsse im Alltag entstehen.
Genau hier setzt WhoIdentifies.Me an. Die Grundidee, die auch in unserem Concept Note beschrieben ist, besteht darin, öffentlich verfügbare Informationen aus nationalen Registern und anderen Quellen zusammenzuführen und daraus ein verständliches Gesamtbild zu erzeugen. Der Prototyp macht diesen Ansatz erstmals erfahrbar. Er zeigt, wie sich ein bislang fragmentiertes System in einer gemeinsamen Oberfläche darstellen lassen wird und wie dadurch sichtbar wird, welche Firmen und staatlichen Stellen überhaupt Teil des eIDAS-Ökosystems sind.
Besonders deutlich wird dabei, dass Transparenz nicht nur eine Frage des „Wer“, sondern auch des „Was“ ist. Entscheidend ist nicht allein, welche Organisationen digitale Identitätssysteme nutzen, sondern welche Daten sie in diesem Zusammenhang anfragen. Genau diese Perspektive eröffnet die Möglichkeit, Datenflüsse vergleichbar zu machen und über einzelne Anwendungsfälle hinaus zu denken. Erst dadurch entsteht eine Grundlage, auf der sich Muster erkennen und Entwicklungen beobachten lassen.
Der Prototyp bleibt dabei bewusst auf dieser grundlegenden Ebene und versucht nicht, bereits alle möglichen Analysefunktionen vorwegzunehmen. Stattdessen macht er sichtbar, dass die notwendige Datengrundlage prinzipiell vorhanden ist und dass sie sich in eine Form bringen lässt, die sowohl für technische als auch für nicht-technische Zielgruppen zugänglich ist. Gerade weil eIDAS als europäische Infrastruktur konzipiert ist, liegt ein besonderer Fokus darauf, nationale Perspektiven zu überwinden und ein grenzüberschreitendes Bild zu ermöglichen.
Damit deutet sich auch an, wohin sich das Projekt weiterentwickeln kann. Die im Concept Note beschriebene Vision geht über eine reine Darstellung hinaus und zielt auf ein Instrument ab, das Entwicklungen im System frühzeitig sichtbar macht. In einer Umgebung, in der sensible, staatlich bestätigte Daten in immer mehr Kontexten eingesetzt werden, entsteht zwangsläufig auch ein Bedarf an Beobachtung und kritischer Einordnung. Transparenz wird damit zu einer Voraussetzung für öffentliche Debatten und letztlich auch für wirksame Regulierung.
Der aktuelle Prototyp ist in diesem Sinne kein Endpunkt, sondern ein erster, notwendiger Schritt. Er zeigt, dass Transparenz im eIDAS-Ökosystem nicht nur eine abstrakte Forderung ist, sondern technisch umsetzbar wird. Gleichzeitig macht er deutlich, dass es für eine informierte Auseinandersetzung mit digitaler Identität mehr braucht als regulatorische Texte und technische Spezifikationen. Es braucht Werkzeuge, die sichtbar machen, was tatsächlich passiert.
Vor diesem Hintergrund laden wir herzlich zur Teilnahme an unserem Workshop ein, in dem wir den aktuellen Stand des Prototypen vorstellen und gemeinsam weiterentwickeln möchten. Die Workshops richten sich an NGOs, Forschende sowie alle, die sich für die praktische Nutzung und die Auswirkungen der europäischen digitalen Identitätsinfrastruktur interessieren. Ziel ist es, Feedback zu sammeln und die Entwicklung des geplanten Piloten aktiv mitzugestalten, der reale Daten aus Mitgliedstaaten integrieren soll und bis Ende 2026 fertiggestellt werden soll.
Die online Workshops finden zu folgenden Terminen statt: 14. April, 13:00-14:30 CET & 20. April, 17:30-19:00 CET
Die Teilnahme ist unkompliziert: Eine kurze Anmeldung per E-Mail an team@epicenter.works mit Angabe des gewünschten Termins genügt.
Barbara Böröcz