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Vom digitalen Archiv zur erzählten Geschichte
Wie der Topokurator gemeinsam mit Topothekar entsteht (31.08.2026)
Förderjahr 2025 / Projekt Call #20 / ProjektID: 7828 / Projekt: Topokurator

Die Topothek lebt von Menschen, die lokale Geschichte sammeln, bewahren und zugänglich machen.

In vielen Gemeinden entstehen dadurch beeindruckende digitale Archive: Fotos, Dokumente, Erinnerungen und Geschichten, die sonst oft nur in privaten Alben, Vereinsarchiven oder Gemeindeschubladen geblieben wären. Mit dem Topokurator arbeiten wir daran, diese Schätze noch stärker ins Erzählen zu bringen.

Schon in den ersten Workshops wurde deutlich, wie wichtig dafür der enge Austausch mit den Topothekar:innen ist. Am Beginn stand nicht sofort die technische Umsetzung, sondern die gemeinsame Frage, was ein solches Werkzeug in der Praxis überhaupt leisten soll. Welche Formen digitaler Ausstellungen gibt es bereits? Welche Werkzeuge werden heute verwendet? Wo helfen einfache Lösungen wie PowerPoint, Fotobücher oder Webseitenbaukästen, und wo stoßen sie an Grenzen? Aus diesen Gesprächen entstand ein erstes Bild des Topokurators: Er soll beim Sammeln, Ordnen und Erzählen unterstützen, ohne die Arbeit der Topothekar:innen zu verkomplizieren.

Eine Grundidee war dabei, die Arbeit möglichst vertraut zu denken. Materialien aus der Topothek sollen ausgewählt und in einen eigenen Arbeitsbereich übernommen werden können. Dort können sie gesammelt, gruppiert, mit eigenen Notizen versehen und später in eine Präsentation oder Ausstellung überführt werden. Der Topokurator soll also nicht bei null beginnen, sondern an die bestehende Topothek anschließen: an ihre Objekte, ihre Metadaten, ihre Quellenangaben und an das Wissen der Menschen, die diese Sammlungen betreuen.

Im ersten Workshop ging es deshalb besonders um Erwartungen, Arbeitsweisen und mögliche Formen des Ergebnisses. Diskutiert wurden einfache Vorlagen, eine Bedienung in zwei Arbeitsbereichen oder Browserfenstern und die Frage, wie viel Gestaltungsfreiheit sinnvoll ist. Schnell zeigte sich: Das Werkzeug sollte nicht wie ein professionelles Designprogramm funktionieren, sondern eher wie eine zugängliche kuratorische Oberfläche. Es soll helfen, Bilder, Texte und andere Medien zu kombinieren, gute Grundlayouts vorzuschlagen und trotzdem Raum für eigene Entscheidungen zu lassen. Wichtig war auch die Frage, wo Ausstellungen gespeichert werden, ob sie über die Topothek veröffentlicht werden können und wie sie später wieder auffindbar bleiben.

Im zweiten Workshop wurden diese Überlegungen konkreter. Anhand von Beispielen, ausgedruckten Materialien und digitalen Skizzen wurde ausprobiert, wie eine Ausstellung nicht nur als lineare Abfolge von Folien, sondern auch als räumliche oder thematische Ordnung gedacht werden kann. Lokale Geschichte lässt sich selten nur in einer Linie erzählen. Sie hängt an Orten, Wegen, Gebäuden, Zeiträumen, Personen, Vereinen und Ereignissen. Deshalb wurde über zweidimensionale Räume, Karten, Cluster, Hierarchien und navigierbare Übersichten gesprochen: nicht als Selbstzweck, sondern als mögliche Hilfe, um Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Dabei entstand eine wichtige Unterscheidung: Einerseits braucht es einen Bereich zum Recherchieren und Ordnen, andererseits einen Bereich zum Gestalten und Präsentieren. Im ersten Bereich werden Objekte aus der Topothek ausgewählt, Metadaten geprüft, Zusammenhänge erkannt und eigene Notizen ergänzt. Im zweiten Bereich werden daraus verständliche Slides, Ausstellungsseiten oder Präsentationsformen. Diese Trennung ist für die weitere Entwicklung zentral, weil kuratorische Arbeit nicht nur aus dem schönen Anordnen von Bildern besteht. Sie beginnt früher: beim Suchen, Vergleichen, Kontextualisieren und Entscheiden, welche Geschichte überhaupt erzählt werden soll.

Auch viele praktische Details wurden in den Workshops sichtbar. Was passiert, wenn ein Bild in der Topothek später geändert wird? Soll diese Änderung automatisch in einer Präsentation sichtbar werden? Wie werden Quellenangaben, IDs, Lizenzen und Verantwortlichkeiten eingebunden? Können Materialien aus mehreren Topotheken gemeinsam verwendet werden, und wenn ja, wo liegt dann das Projekt? Wie erkennt man, welche Medien bereits verwendet wurden? Und wie können eigene Kommentare, Sprechertexte oder Notizen von sichtbaren Ausstellungstexten unterschieden werden? Solche Fragen wirken zunächst klein, entscheiden aber darüber, ob ein Werkzeug im Alltag tatsächlich vertrauenswürdig und angenehm nutzbar ist.

In unserem dritten Workshop stand dann ein erster klickbarer Prototyp im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Topothekar:innen und Projektpartner:innen haben wir ausprobiert, wie sich aus vorhandenen Topothek-Beständen digitale Ausstellungen und Präsentationen gestalten lassen könnten. Dabei ging es nicht nur um einzelne Funktionen, sondern vor allem um die Frage: Was braucht ein Werkzeug, damit es in der Praxis wirklich hilft?

Schnell wurde klar: Der Topokurator soll kein überladenes Designprogramm werden. Im Vordergrund steht eine einfache, klare Arbeitsweise. Ausgewählte Materialien sollen gesammelt, geordnet und in verständliche Präsentationen gebracht werden können. Die Gestaltung bleibt bewusst nahe an der Topothek, damit die Verbindung zu den bestehenden Sammlungen sichtbar bleibt.

Im Prototyp wurden unterschiedliche Formen der Navigation diskutiert: etwa thematische Einstiege über Kacheln oder visuelle Zugänge über Karten, Pläne und Bilder. Solche Zugänge sind besonders spannend, weil lokale Geschichte oft räumlich erzählt wird: über einen Ortskern, ein Gebäude, einen Weg, ein Fest oder einen bestimmten Schauplatz. Gleichzeitig zeigte sich, dass visuelle Ordnung nicht automatisch kompliziert werden darf. Karten, Cluster oder Übersichten müssen Orientierung geben und dürfen die Besucher:innen nicht vom Inhalt ablenken.

Auch die Präsentationssituation spielte eine wichtige Rolle. Der Topokurator soll nicht nur am Schreibtisch funktionieren, sondern auch dort, wo Vermittlung tatsächlich passiert: bei Veranstaltungen, in Museen, in Schulen, im Gemeindeamt oder bei Gesprächen mit Menschen, die ihr Wissen über einen Ort teilen. Eine Ausstellung kann begleitend präsentiert werden, aber auch auf einem Bildschirm selbstständig laufen. Genau diese Mischung aus einfacher Bedienung und vielseitigem Einsatz macht den Ansatz interessant.

Besonders wertvoll war in allen Workshops das Feedback aus der Praxis. Welche Texte sind für Besucher:innen verständlich? Wie viel Freiheit braucht man bei der Gestaltung, ohne dass das Werkzeug kompliziert wird? Wo braucht es klare Vorlagen? Welche Angaben zu Quellen, Rechten und Verantwortlichkeiten müssen sichtbar sein? Solche Fragen sind für den Topokurator zentral, weil digitale Vermittlung nicht nur technisch funktionieren soll, sondern auch gut kuratiert, nachvollziehbar und langfristig nutzbar sein muss.

Die Workshops haben gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Viele Grundideen des Prototyps wurden bestätigt, gleichzeitig wurden wichtige Hinweise für die nächste Entwicklungsphase gesammelt. Genau darin liegt die Stärke des Projekts: Der Topokurator entsteht nicht abstrakt am Reißbrett, sondern Schritt für Schritt gemeinsam mit jenen Menschen, die später damit arbeiten sollen.

Als nächstes geht es darum, aus dem Prototyp eine erste funktionsfähige Version zu machen und mit konkreten Ausstellungen zu testen. Dabei wird sich zeigen, welche Abläufe bereits gut funktionieren, wo das Tool noch einfacher werden muss und welche Funktionen für die Praxis wirklich entscheidend sind.

So wächst der Topokurator Stück für Stück zu dem, was er sein soll: eine kuratorische Erweiterung der Topothek, die regionale Sammlungen nicht nur sichtbar macht, sondern die Geschichten dahinter in neue Formen bringt.  

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