Alter Mann im Rollstuhl mit VR Brille
Gutes Wohnen im Alter: Smart Homes zwischen Technik, Raum und Mensch
Lebensqualität und Wohnen im digitalen Zeitalter (16.01.2026)
Förderjahr 2023 / Stipendien Call #18 / ProjektID: 6727 / Projekt: Gutes Wohnen in Smart Homes.

1. Smart Homes – Technik als Eckpunkt

Smart Homes haben sich von einzelnen smarten Geräten zu intelligenten Wohnumgebungen entwickelt. Die Vernetzung von Mensch und Raum schafft eine eigene Technosphäre, die das Wohnen grundlegend verändert. Der ethische Diskurs fokussiert oft auf Mensch-Maschine-Schnittstellen, übersieht jedoch die Subjektivierung der Wohnumgebung und die Objektivierung der Bewohner*innen. Die Auswirkungen der Technosphäre auf das Verständnis von Wohnen werden bislang wenig reflektiert.

2. Wohnen – Raum als Eckpunkt

Die Analyse des Begriffs „wohnen“ zeigt drei Ebenen:

  • Praktisch: Wohnen wird auf anthropologische Grundbedürfnisse und funktionale Aspekte reduziert, die sich in Architektur und gesetzlichen Standards widerspiegeln.
  • Sphärisch: Wohnen ist ein sinnlich-leibliches, ganzheitliches Erleben. Wohnqualität entsteht durch atmosphärische Faktoren wie Ruhe und Geborgenheit, die nicht allein durch Architektur oder Gegenstände erzeugt werden können. Entscheidend ist das Gefühl von Stimmigkeit zwischen Wohnenden und Wohnort.
  • Ontologisch: Wohnen ist eine Form des In-der-Welt-Seins. Die Bedeutung erschließt sich über Sinn- und Bedeutungshorizonte, die durch Modulationen der Megastruktur [1, 2]  konstituiert werden. Gutes Wohnen ist ein multidimensionales, ganzheitliches Geschehen, das Tätigkeit, Erleben und Sein vereint.

3. Alter(n) – Mensch als Eckpunkt

Alter(n) ist ein multidimensionales Phänomen, das sich durch biologische, psychische und soziale Faktoren auszeichnet. Das Erleben des Alterns hängt stark von individuellen Lebensstrategien und gesellschaftlichen Altersbildern ab. Neben biologischen Prozessen ist das Alter(n) eine Phase, in der die Resultate eines gelebten Lebens hervortreten. Wesentliche Aspekte:

  • Das nahende Lebensende und physische Veränderungen.
  • Fokus auf Vergangenheit und Sinnsuche.
  • Reifung als Konzept: Nicht Kompensation von Verlusten, sondern Entwicklung neuer Qualitäten unter passenden Rahmenbedingungen. Gutes Alter(n) bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen Individuum und Kollektiv sowie zwischen aktiven und passiven Elementen zu finden. Widerstände, die den Reifeprozess fördern, und eine unterstützende Umgebung sind entscheidend.

Zusammenfassung: Die Dissertation verbindet die Themen Technik, Raum und Mensch, um die Frage nach gutem Wohnen im Alter in Smart Homes zu beantworten. Sie zeigt, dass gutes Wohnen und gutes Altern komplexe, multidimensionale Prozesse sind, die weit über funktionale und materielle Aspekte hinausgehen und das gesamte Sein betreffen.

 

[1]    Der Begriff 'Megastrukturen' ist entlehnt von Heinrich Rombach und gründet auf das Modell der Bewusstseinsstruktur von Jean Gebser, vgl. Gebser J. Gesamtausgabe. Schaffhausen: Novalis Verlag; 1986.

[2]    Rombach H. Strukturontologie. Eine Phänomenologie der Freiheit. Freiburg i. Br.: Alber; 1971.

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Smart Home Wohnen im Alter Digitalisierung

Theres-Antonia Bock

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Mein Tätigkeitsfeld erstreckt sich von der klassischen Innenarchitektur bis hin zur Architekturphilosophie.
Derzeit konzentriere ich mich auf meine Dissertation im Bereich Digitalisierung des Wohnens.

Als Innenarchitektin durfte ich in den letzten Jahren miterleben, wie die Digitalisierung immer mehr in den Standard Wohnbau Einzug hält. Smart Buildings und Smart Homes ermöglichen eine effizienteres Facility-Management. Aus ökonomischer Perspektive macht es daher Sinn diese Technik voranzutreiben. Wie sieht es allerdings mit anderen Bereichen aus, die diese Technik ebenfalls beeinfluss? Mit dem Einzug der smarten Technologien in den Pflegebereich und damit in das assistive Wohnen stellen sich grundlegende ethische Fragen. Im Zuge meines Philosophiestudiums und späteren Forschung beschäftigte ich mich immer mehr mit dem Zusammenhang zwischen Technik- Mensch und dem Wohnen und stellte mir immer mehr die Frage, wie die Digitalisierung des Wohnens unser Verständnis vom Wohnen verändern wird.
Wird es ein gutes Wohnen bzw. Leben sein, wenn wir in Zukunft mit unserem Wohnraum kommunizieren?
Wird es ein gutes Wohnen bzw. Leben sein, wenn unser Wohnraum eine auf uns zugeschnittenes Wohnklima schafft?
Wird es ein gutes Wohnen bzw. Leben sein, wenn uns unser Wohnraum vollautomatisch alle unsere Bedürfnisse stillt?
Wie würde uns das als Menschen verändern? Wären wir noch in der Lage selbst Entscheidungen zu treffen? Wären wir noch in der Lage selbst zu wissen, was uns gut tut? Wären wir noch in der Lage für uns Verantwortung zu übernehmen?
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