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Fortschrittsbericht
Zwei neue Vorschläge der Europäischen Kommission von zentraler Bedeutung für die Untersuchung (09.09.2026)
Förderjahr 2025 / Stipendium Call #20 / ProjektID: 7977 / Projekt: KI in der Beschaffung & Beschaffung von KI | AI in Procurement & Procurement of AI

Für das Thema der Arbeit haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten Monaten durch zwei Rechtsetzungsinitiativen der Kommission weiterentwickelt. Beide Vorschläge berühren unmittelbar den Untersuchungsgegenstand und sind, soweit es der zeitliche Rahmen noch zulässt, jedenfalls zumindest in Grundzügen zu berücksichtigen.

1. Verordnungsvorschlag zur Reform des EU-Vergaberechts (veröffentlicht seit heute, 09.09.2026)

Die Kommission hat heute den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Vereinheitlichung des öffentlichen Auftragswesens (Public Procurement Act) vorgelegt. Relevant ist schon die gewählte Form: statt der derzeit geltenden Richtlinien 2014/23/EU, 2014/24/EU und 2014/25/EU wird eine unmittelbar anwendbare Verordnung vorgeschlagen. Inhaltlich sind für die Arbeit insbesondere folgende Aspekte relevant und in weiterer Folge näher zu untersuchen: die Einführung eines verpflichtenden Zuschlagsmodells nach dem Prinzip des "Best Price-Quality Ratio" mit einer Mindestgewichtung von qualitativen (bzw. nachhaltigkeitsbezogenen) Zuschlagskriterien von 30 % (bei arbeitsintensiven Dienstleistungen 50 %); die Verankerung einer „europäischen Präferenz“ sowie sektorspezifische "EU-Mehrwertkriterien", die v.a. auch für die Beschaffung von Cloud-Computing-Diensten konzipiert sind; sowie neue Instrumente zur Sicherheits- und Drittstaaten-Prüfung. Da der Entwurf erst heute veröffentlicht wurde, kann er im Rahmen dieses Blog-Beitrags nur darauf hingewiesen werden, es können jedoch noch keine vertieften Anmerkungen dazu gemacht werden. Eine nähere Analyse, insb. im Hinblick auf die genannten Zuschlagskriterien für KI-Leistungen – bleibt der weiteren Bearbeitung vorbehalten.

2. Cloud and AI Development Act (CADA)

Am 3. Juni 2026 hat die Kommission den Vorschlag für eine Verordnung zur Festlegung eines Maßnahmenrahmens zur Stärkung des europäischen Cloud- und KI-Ökosystems (Cloud and AI Development Act, CADA) vorgelegt. Für die Arbeit von besonderem Interesse ist dabei v.a. der demand-seitige Aspekt: CADA sieht einen EU weiten, einheitlichen Bewertungs-Katalog für „Cloud- und KI-Souveränität“ vor und verpflichtet öffentliche Auftraggeberinnen, im Rahmen der Beschaffung von Cloud- und KI-Dienstleistungen den „Unionsmehrwert“ als nichtpreisliches Zuschlagskriterium zu berücksichtigen.

Einordnung für die weitere Bearbeitung

Beide Vorschläge befinden sich am Anfang des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens (Art. 294 AEUV) und werden voraussichtlich Gegenstand langwieriger Trilogverhandlungen sein. Für die dogmatische Einordnung wird wesentlich zu klären sein, in welchem Verhältnis die beiden Vorschläge zueinander sowie zur Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-VO) stehen, sowie ob und inwieweit die sektorspezifischen Zuschlagskriterien des Public Procurement Act und der CADA-Souveränitätsrahmen mit den Anforderungen der KI-VO an (Hochrisiko-)KI-Systeme im öffentlichen Sektor aufeinander abgestimmt sind. Bereits jetzt absehbar ist zudem, dass die von mehreren Mitgliedstaaten scharf kritisierte Wahl der Verordnung anstelle einer Richtlinie als Rechtsinsturment des neuen Vergaberechtsregimes wohl einen zentralen Streitpunkt der bevorstehenden Verhandlungen bilden wird.

 

Johanna Göschlberger

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I am a legal professional passionate about the convergence of law, technology, and innovation. I specialise in public procurement, data protection, and EU law. Navigating cross-sectional matters in the realm of new technologies is what I am most passionate about and where I thrive.

Currently, I am seconded to the EU AI Office within the European Commission (DG CNECT). In Austria, I work as a Legal Policy Officer at the Public Procurement Directorate within the Ministry of Justice. In this role, I created the project “Digital Transformation of Public Procurement in Austria” from scratch, and I continue to lead it as the head of the project.

As part of my postgraduate degree program, the LL.M. in Information and Media Law (IT Law) at the University of Vienna (Postgraduate Center), I am currently writing my master’s thesis on “AI in Public Procurement & Public Procurement of AI.” To conduct this research, I have been selected as a Netidee scholar. Feel free to contact me for further information.

Disclaimer:
The views shared on my profile and in my thesis reflect my personal opinions and do not represent the views or positions of my employer unless explicitly stated otherwise.

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© Der Knopfdrücker

Skills:

AI Law | Public Procurement Law | Data Protection Law
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