Snapchat Logo auf gelbem Hintergrund
Schönheitsideale, riskante Substanzen & Schleichwerbung
Wie Snapchat Jugendlichen Schönheitsoptimierung als Dauerthema ausspielt (04.09.2026)
Förderjahr 2025 / Projekt Call #20 / ProjektID: 7730 / Projekt: DSA-Monitor

Was wir gemacht haben

Snapchat zählt zu den beliebtesten Plattformen unter Jugendlichen in Österreich: 65% der 11- bis 17-Jährigen nutzen die App, 85% davon täglich. Gleichzeitig läuft Snapchat unter dem Radar, es findet kaum Forschung dazu statt. Wir wollten es genauer wissen und haben vier Testprofile auf Snapchat angelegt, die sich entlang der Dimensionen Alter (minderjährig vs. volljährig) und Interesse/Geschlecht (Beauty vs. Fitness/weiblich vs. männlich) unterscheiden.

Nach einer Trainingsphase der Accounts wurden von Mai bis Juni 2026 insgesamt 700 Minuten Feed (11,7 Stunden) per Screencast aufgezeichnet und entlang eines Codier- und Kategoriensystems analysiert. Insgesamt wurden dabei 226 problematische Videos erfasst.

Was wir herausgefunden haben

Zentrale Ergebnisse:

  • Über alle Profile hinweg wurde durchschnittlich alle 3,1 Minuten ein problematisches Video ausgespielt. Den minderjährigen Accounts alle 2,8 Minuten.
  • Weibliche Beauty Profile waren dabei doppelt so stark betroffen wie die männlichen Fitness-Profile.
  • Von den Inhalten, die der 13-jährigen weiblichen Persona ausgespielt wurden, entfiel ein Großteil auf kosmetische Eingriffe wie injizierbare Filler oder Botox. Diese Behandlungen werden durch die Dauerbeschallung als alltägliche Freizeitaktivität normalisiert.
  • Bei den männlichen Profilen dominierten Looksmaxxing-Inhalte – inklusive offener Empfehlungen für anabole Steroide, Testosteron und Peptide. Der Übergang von harmlos wirkenden Pflegetipps zu ideologisch aufgeladenen und extremen Inhalten aus dem Incel-Umfeld verläuft dabei fließend.
  • Von 104 als kommerziell eingestuften Einträgen aus dem Beauty- und Fitnesskontext waren rund 93% nicht als Werbung gekennzeichnet.
  • Rechtlich verdichten sich diese Einzelbefunde zu einem systemischen Risiko im Sinne von Art. 34 DSA.

Infografik der Snapchat-Studie

Großes Medienecho

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir unsere Erhebung nicht nur mit der Europäischen Kommission als Kontrollbehörde des DSA teilen konnten, sondern auch ein breites Publikum durch unsere Medienarbeit erreichen konnten. Die Studie wurde in unterschiedlichen ORF-Formaten (Ö3, Radio Salzburg, Radion Niederösterreich, ZIB, ZIB Magazin Media) genauso behandelt wie in der Tageszeitung profil und als Reels bei der Wiener Zeitung und der Chefredaktion.

Tags:

Digitalisierung Snapchat Digital Services Act Schönheitsideale
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