OSMD Braille im Test
OSMD Braille im Praxistest
Mit Martin Mayrhofer und einer echten Braille-Zeile (24.07.2026)
Förderjahr 2025 / Projekt Call #20 / ProjektID: 7716 / Projekt: OSMD Braille

Automatisierte Tests und der Abgleich mit dem Regelwerk sind das eine – ob sich die Braille-Ausgabe in der Praxis tatsächlich gut lesen lässt, kann nur jemand beurteilen, der Braille täglich nutzt.

Vom Bildschirm auf die Fingerkuppe

Über 300 automatisierte Tests prüfen bei OSMD Braille, dass die erzeugten Zeichen dem Music Braille Code entsprechen. Was diese Tests nicht prüfen können: Wie fühlt sich das Ergebnis an, wenn man es tatsächlich mit den Fingern liest? Kommt der Lesefluss zustande, den das Regelwerk verspricht? Und funktioniert die Kette Browser → Screenreader → Braille-Zeile in der Praxis reibungslos?

Für diese Fragen haben wir uns Unterstützung geholt: Martin Mayrhofer von videbis, einem österreichischen Anbieter von Hilfsmitteln für blinde und sehbehinderte Menschen, hat sich einen Termin lang Zeit für uns genommen. Martin ist selbst blind und liest Braille seit Jahrzehnten – die ideale Kombination aus fachlicher und persönlicher Expertise.

Erst die Technik, dann die Noten

Der Test begann ganz praktisch: Martin half uns, die Braille-Zeile an unserem Laptop einzurichten und mit dem Screenreader zu verbinden. Für uns als sehende Entwickler war das ein lehrreicher Perspektivwechsel – wie navigiert man eigentlich durch eine Webseite, wenn man sie nicht sieht? Wie springt man gezielt zur Braille-Ausgabe? Unsere Demo-Seite ist bewusst mit einer klaren Überschriftenstruktur aufgebaut, sodass man mit dem Screenreader direkt zur Überschrift „Music Braille Score" springen kann – genau dieser Weg wurde nun erstmals von einem echten Anwender beschritten.

Dann kam der eigentliche Moment: Martin las unsere Music-Braille-Ausgabe auf der Braille-Zeile und erläuterte uns dabei laufend, was er unter den Fingern hat – wie er die Oktavmarken erfasst, wie er von Takt zu Takt navigiert, wie sich das Bar-over-Bar-Format für Klaviermusik anfühlt, bei dem rechte und linke Hand zeilenweise untereinander stehen. Für uns war es das erste Mal, dass wir unser Projekt so erleben durften, wie es gedacht ist: als taktile Notenschrift, gelesen von jemandem, für den sie gemacht ist.

Das Ergebnis: Es funktioniert – und es geht noch besser

Die Kernbotschaft des Tests: Es hat alles funktioniert. Die Braille-Zeile zeigte die Music-Braille-Notation korrekt an, die Zeichen entsprachen dem Standard, die Navigation durch die Demo klappte mit dem Screenreader, und Martin konnte die Noten flüssig lesen.

Darüber hinaus hat uns Martin konkrete Tipps gegeben, wie wir das Lesen der Noten über das Braille-Keyboard noch weiter verbessern können. Genau für solche Hinweise macht man einen Praxistest: Sie kommen aus der tatsächlichen Nutzung und aus jahrelanger Braille-Erfahrung – Dinge, die man aus dem Regelwerk allein nicht ableiten kann. Diese Anregungen fließen nun in den Feinschliff des Projekts ein.

Danke, Martin!

Ein herzliches Dankeschön an Martin Mayrhofer und videbis für die Zeit, die Geduld beim Einrichten der Hardware und das ehrliche, konstruktive Feedback. Tests mit der Zielgruppe sind durch nichts zu ersetzen – dieser Vormittag hat uns das eindrucksvoll bestätigt.

Ausblick

OSMD Braille steht damit kurz vor dem Abschluss. Die Konvertierungs-Engine ist fertig, der Praxistest ist bestanden, und die letzten Arbeitspakete – darunter die öffentliche Demo-Website – sind in den finalen Zügen. Im nächsten Blogbeitrag stellen wir das fertige Projektergebnis vor und zeigen, wie jede und jeder OSMD Braille sofort ausprobieren kann.

Tags:

OSMD Music Braille barrierefreiheit Accessibility Screenreader Usability-Test

Thomas Buchstätter

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