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OSMD Braille ist fertig
Digitale Noten werden zu Braille – sofort, automatisch, für alle (24.07.2026)
Förderjahr 2025 / Projekt Call #20 / ProjektID: 7716 / Projekt: OSMD Braille

Was im Jänner mit 428 Seiten Regelwerk begann, ist jetzt Realität: OSMD Braille ist fertig. MusicXML-Noten werden in etwa einer Sekunde zu standardkonformem Music Braille – direkt im Browser, ohne Installation. So kann man es sofort nutzen.

Ausprobieren – jetzt, kostenlos, im Browser

Der schnellste Weg zu OSMD Braille ist die öffentliche Demo: opensheetmusicdisplay.org/wp-content/uploads/sites/2/osmd-braille-demo/index.html

Beim Öffnen lädt automatisch ein Beispielstück – das gedruckte Notenbild erscheint in der Mitte, darunter unter der Überschrift „Music Braille Score" dieselbe Musik als Braille. Über den Button „Open file..." oder per Drag-and-Drop lassen sich eigene MusicXML-Dateien laden; solche Dateien exportiert jedes gängige Notensatzprogramm, etwa das kostenlose MuseScore. Rund dreißig Beispieldateien demonstrieren einzelne Notationselemente, dazu kommen komplette Werke von Clementi, Bach, Beethoven und Mozart sowie die Bundeshymne „Land der Berge" mit drei Strophen.

Was OSMD Braille kann

Die Konvertierung folgt dem Music Braille Code 2015 und deckt den Alltag der Notenschrift vollständig ab: Tonhöhen und Notenwerte, Pausen, Vorzeichen, Tonarten und Taktangaben, Akkorde, Mehrstimmigkeit, Dynamik, Artikulation, Verzierungen, Halte- und Bindebögen, Wiederholungen mit Volten sowie Da-Capo- und Dal-Segno-Anweisungen. Dazu kommen die Speziallayouts des Standards: das Bar-over-Bar-Format für Klaviermusik mit vertikal alignierten Hand-Zeilen, das Ensemble-Format mit Instrumentenliste und Kürzeln, Vokalmusik mit Wort- und Musikzeilen samt mehrerer Strophen, und ein Facsimile-Modus, der das gedruckte Zeilenbild abbildet.

Eine Besonderheit ist die eingebaute Übersetzungstabelle: Unter der Braille-Ausgabe erklärt eine Tabelle jedes einzelne Zeichen in Klartext – „Oktave 4", „Viertelnote C4", „rechte Hand". Sehende Lehrkräfte können damit die Braille-Ausgabe ihrer Schülerinnen und Schüler überprüfen, ohne selbst Braille zu lesen; wer Music Braille lernen möchte, bekommt gleich ein interaktives Lehrbuch dazu.

Für wen ist das?

Blinde und sehbehinderte Musikerinnen und Musiker lesen die Ausgabe direkt auf der Braille-Zeile – die Demo ist mit Screenreadern wie NVDA und JAWS nutzbar, alle Bedienelemente sind beschriftet, und die Zeilenbreite von 40 Zellen entspricht gängigen Braille-Zeilen und Prägedruckern. Die Ausgabe ist echter Unicode-Braille-Text: Er lässt sich kopieren, speichern und über Braille-Produktionssoftware auf Papier prägen.

Musikpädagoginnen und -pädagogen verwandeln das Unterrichtsmaterial der Woche in Sekunden in Braille, sodass braillelesende Schülerinnen und Schüler mit demselben Stück arbeiten wie alle anderen. Übertragungsdienste erhalten eine standardkonforme Erstübertragung als Ausgangsbasis und können ihre Zeit auf den redaktionellen Feinschliff konzentrieren.

Website-Betreiber binden Noten samt Braille-Ausgabe ohne Programmierung ein: Das kostenlose OSMD WordPress Plugin bringt die Funktion fertig mit. Und Software-Entwicklerinnen und -Entwickler integrieren die Braille-Ausgabe mit wenigen Codezeilen in jede Anwendung, die auf OSMD aufbaut – eine ausführliche Entwicklerdokumentation samt öffentlicher API liegt bei.

Warum das wichtig ist

Music Braille wird traditionell von speziell ausgebildeten Übertragungskräften erstellt – langsam und teuer, weshalb nur ein Bruchteil aller Notenliteratur je in Braille verfügbar war. OSMD Braille macht aus jeder MusicXML-Datei in etwa einer Sekunde eine Braille-Partitur. Das ersetzt keine professionell redigierte Braille-Edition, aber es ist ein immer verfügbarer Übertragungsdienst für den Alltag: zum Üben, Unterrichten, Nachschlagen und Entdecken.

Danke!

Unser Dank gilt der netidee der Internet Stiftung für die Förderung, dem Sao Mai Center für die Music-Braille-Expertise und Martin Mayrhofer von videbis für den Praxistest mit der Braille-Zeile. Das Projekt konnte deutlich früher abgeschlossen werden als geplant – die Ergebnisse stehen ab sofort als Open Source zur Verfügung. Alle Links, die Dokumentation und die Demo finden sich auf unserer netidee Projektseite netidee.at/osmd-braille und auf opensheetmusicdisplay.org.

Tags:

OSMD Music Braille barrierefreiheit Accessibility Demo

Thomas Buchstätter

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