Virtuelle Währungen in der Insolvenz - worum geht es?
Ein erster Überblick (01.12.2021)
Förderjahr 2021 / Stipendien Call #16 / ProjektID: 5693 / Projekt: Virtuelle Währungen in der Insolvenz

Virtuelle Währungen befinden sich derzeit – unter anderem aufgrund der hohen Kurszuwächse der Kryptowährung Bitcoin – im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Der europäische Gesetzgeber hat bereits reagiert und insb mit der 5. Geldwäsche-Richtlinie erste Regulierungen vorgenommen. Wie mit virtuellen Währungen – abseits der steuerrechtlichen Perspektive – umzugehen ist, ist in Österreich jedoch immer noch höchst unklar.

Das Dissertationsprojekt hat zum Ziel, virtuelle Währungen in das österreichische Privat- und Insolvenzrecht einzuordnen. Aufbauend auf einer Grundlagenforschung sollen zahlreiche Sonderthemen behandelt werden, die mit virtuellen Währungen einhergehen. An geeigneten Stellen der Dissertation werden nach einer Analyse der zentralen Fragen eigene Positionen bezogen und Lösungsansätze entwickelt. Die Dissertation wird Klarheit über die insolvenzrechtliche Behandlung von virtuellen Währungen schaffen und hierbei sowohl den internetaffinen Anlegern als auch Gläubigern im Insolvenzverfahren Rechtssicherheit gewähren. Dies wird zu einer breiteren Akzeptanz und sichereren Verbreitung dieser neuen Technologie führen. Es handelt sich um praxisnahe Grundlagenforschung, die dringend erforderlich ist, um aktuellen Rechtsproblematiken zu begegnen.

Zur privatrechtlichen Einordnung virtueller Währungen gibt es bereits vereinzelt Fachbeiträge und Aufsätze, diese haben sich jedoch nur in geringem Ausmaß mit der technischen Grundlage von virtuellen Währungen wie dem Bitcoin auseinandergesetzt. Das vorliegende Dissertationsprojekt soll diese drei Komponenten (Technik, Privat- und Insolvenzrecht) in Verbindung setzen, um diverse Problemstellungen, die bei der Innehabung von virtuellen Währungen in der Praxis auftreten, abschließend beantworten zu können. Im privatrechtlichen Teil wird insbesondere eine Analyse der Sachqualität von virtuellen Währungen sowie eine Beurteilung der (analogen) Heranziehung essenzieller Grundsätze des Sachenrechts auf Kryptowährungen als (unkörperliche) Sachen erfolgen.

Die Behandlung virtueller Währungen in der Insolvenz wurde bisher in Österreich nicht wissenschaftlich untersucht. Auch die Praxis hat sich bisher nicht ausreichend mit der Thematik auseinandergesetzt, wodurch es durchaus dazu kommen kann, dass erhebliche Vermögenswerte in virtuellen Währungen dem Zugriff des Insolvenzverwalters entzogen bleiben. Im insolvenzrechtlichen Teil des Dissertationsprojektes ist zunächst die Frage zu beantworten, ob virtuelle Währungen Teil der Insolvenzmasse sein können. Im Anschluss daran wird unter anderem die Möglichkeit des Bestehens von Aus- und Absonderungsrechten analysiert sowie zahlreiche Sonderthematiken erforscht.

Univ.-Ass. Mag. iur. Tobias Weidinger

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Tobias Weidinger ist Dissertant an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. Er arbeitet derzeit als Universitätsassistent am Institut für Zivilverfahrensrecht und Insolvenzrecht im Arbeitsbereich von Institutsleiterin Univ.-Prof. Dr. Bettina Nunner-Krautgasser und war bereits während seines Studiums an zwei rechtswissenschaftlichen Instituten der Karl-Franzens-Universität als Studienassistent tätig. Seine Forschungsgebiete umfassen insbesondere Insolvenzrecht, Zivilverfahrensrecht, Privatrecht, Legal Tech und IT-Recht. Darüber hinaus ist er im profilbildenden Bereich "Smart Regulation" der Karl-Franzens-Universität Graz aktiv.

Tobias Weidinger arbeitete zuvor als Rechtshörer am Landesgericht für Zivilrechtssachen in Graz und war mehrere Jahre als freier Werbetexter tätig. Er war Lektor und Mitherausgeber des Law@Graz-Magazins, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Fakultätsvertretung Jus und einige Jahre als Referent für Schulsport im Vorstand des Steirischen Badminton Verbandes (StBV) tätig.

Skills:

Insolvenzrecht
,
Zivilverfahrensrecht
,
Zivilrecht
,
IT-Recht
,
Datenschutzrecht
,
Unternehmensrecht
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