Bagger gräbt in Daten (Quelle: Shutterstock - https://www.shutterstock.com/image-vector/excavator-digging-through-binary-code-metaphor-513585007)
Überlegungen zum Sammeln von Daten
Vorschläge zum Umgang mit der Optimierungswut im Alltag. (08.12.2018)
Förderjahr 2017 / Project Call #12 / ProjektID: 2218 / Projekt: OwnYourData 2.0

Dieser Blogpost beschäftigt sich wieder mit der Sinnhaftigkeit des Datensammelns. Der Hintergrund: Inzwischen sind alle für das Projekte geplante Funktionen implementiert und wir konzentrieren uns derzeit darauf, neue Benutzer zu gewinnen und Fehler auszubessern bzw. die Performance einzelner Services zu optimieren. Aktuell gibt es ca 40 aktive Benutzer und weit über 100.000 gesammelte Datensätze im Online Datentresor. Besonders freut es uns, dass sich jede Woche neue Benutzer registrieren und die Nutzerzahl zwar langsam, aber doch beständig wächst.

Aber es gibt auch Fragen und Kommentare mit denen wir immer wieder konfrontiert werden, die sich sehr kritisch mit dem Thema "Daten sammeln" auseinandersetzen. So haben wir schon öfter in abgewandelter Form den folgenden Satz gehört: "Ich habe genug von dieser ständigen Optimierung und will meine Ruhe davor haben!" Diese Aussage trifft auch den Nerv der öffentlichen Diskussion über Big Data, künstliche Intelligenz und Arbeitsplätze die in Zukunft dadurch obsolet werden. Für uns hat sich daraus die Frage herauskristallisiert: "Wie kann OwnYourData diese Optimierungswut bremsen und Lebensqualität für Benutzer erhöhen?"

Vor kurzem habe ich mich mit dem Toyota-Produktionssystem und LEAN Manufacturing beschäftigt. Ein zentrales Element ist dabei die Eliminierung jeglicher Verschwendung (muri, mura, muda) und die dadurch erzielbare Optimierung. Zuerst hat durch dieses System die japanische Autoindustrie in den 50er und 60er Jahren riesige Fortschritte gemacht und aufgrund des großen Erfolgs verbreitete sich die Methode natürlich auch in der restlichen Welt. Dieses System eroberte auch andere Anwendungsgebiete und nahm dabei die unterschiedlichsten Namen an. Heute erleben wir es zB in Form von Quantified Self zur Selbstoptimierung des Individuums.

Optimierung bedeutet im Kontext des Toyota-Produktionssystem die Verkleinerung und eventuell sogar Eliminierung von Buffern. Was zwar in der Autoproduktion sinnvoll ist, wenn zB Lagerbestände gering gehalten oder Transportwege verkürzt werden, ist im persönlichen Bereich eine Belastung. Drei Beispiele dazu:

  • Konsum: wir werden ermutigt nicht mehr zu sparen, sondern sofort alle unsere - oft künstlich erzeugten - Bedürfnisse mit Hilfe von Krediten zu befriedigen, d.h. der persönliche Geldbuffer verschwindet
  • ständig Online: durch das Verschwimmen von Freizeit und Arbeitszeit und ein ständiges Bombardement aus Nachrichten und Infos sind wir immer beschäftigt, d.h. Zeit für sich und Reflexion wird seltener
  • Überwachung: immer mehr Bereiche unseres Lebens werden wissentlich oder unwissentlich überwacht (öffentliche Kameras, Profiling beim Einkauf, Verhaltensanalyse im Internet), d.h. unser Privatsphäre wird eingeschränkt bzw. ganz abgeschafft

Diese von vielen als negativ wahrgenommene Entwicklungen werden zumeist verdrängt oder rationalisiert. Es werden zB Vorteile von SmartCities aufgezählt und die noch vor 20 Jahren scheinbar nicht möglichen Kontakte zu ehemaligen Freunden. Mit OwnYourData wollen wir aber jeder und jedem die Möglichkeit bieten, selbst zu erkennen welche Freiräume über die Zeit verloren gehen. Dazu möchten wir - ganz im Sinne der Wertstromanalyse des Toyota-Produktionssystem - typische Abläufe des Alltags erfassen und Buffer identifizieren und beobachten. Anstatt diese Buffer aber zu verkleinern oder zu eliminieren, bieten wir ein Monitoring für diese Buffer. D.h. OwnYourData protokolliert, wenn einmal keine Nachrichten ankommen, wenn sich am Konto nichts tut und wann gerade keine Daten gesammelt werden.

Ein altes, hebräisches Sprichwort lautet: Die wichtigsten Zeilen in einem Buch sind nicht in schwarzer sondern in weißer Schrift geschrieben. Prüfen wir uns selbst, wann einmal nichts passiert - wie oft und wie lange findet das statt? Wie ändert sich dieses digitale "Nichts-Tun" über die Zeit? Und wie geht es uns damit?

Was denkst du über diesen Vorschlag? Kann die Optimierungswut der Datenökonomie mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden? Wenn du Ideen dazu hast, oder einfach mit uns diskutieren möchtest, hinterlasse eine Nachricht unten oder schreib uns unter office@ownyourdata.eu.

(Quellhinweis zum Headerbild: Shutterstock)

Tags:

Daten Datenbesitz Optimierung
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